Frau Klostermann-Bischof

Das Telefon klingelt. Theo schaut auf das Display des Festnetzanschlusses.  Eine ihm unbekannte Telefonnummer. Immerhin mit Bremer Vorwahl. Also vermutlich keiner dieser nervigen Telefonterroristen, die ihm Dienstleistungen oder Produkte verkaufen wollen, ohne die er nie wieder glücklich werden wird.

Da Theo nicht gerne telefoniert, hat er sich eine Telefonstimme zugelegt. Dabei schraubt er seine Stimme um eine Oktave tiefer als sie ohnehin schon ist. Das kann er und im Allgemeinen wirkt es bei diesen fernmündlichen Drückerkolonnen ganz gut. Er sammelt sich kurz und hebt ab (also eigentlich drückt er auf den grünen Knopf des Telefons, aber „er hebt ab“ klingt so schön Retro.)

„Bischof!“ Theo hasst dieses fragende sich am Telefon melden. Als wäre man nicht ganz sicher wie man heißt und erwarte vom Anrufer eine Bestätigung, dass man tatsächlich der ist, der zu sein man vermutet. Nein, Theo weiß genau wer er ist. Also nochmal…

„Bischof!“

„Guten Tag, mein Name ist Schröder, von Ihrer Bremer Tageszeitung.  Spreche ich mit Frau Klostermann-Bischof?“

„Ja.“

„Schön, dass ich Sie erreiche Frau Klostermann-Bischof. Frau Klostermann-Bischof, Sie sind ja schon seit langer Zeit eine treue Abonnentin unser Zeitung.“

„Ja.“

„Ja, und als Dankeschön haben wir heute ein ganz besonderes Angebot für Sie!“

„Aha.“

„Ja! Zusätzlich zu Ihrer Tageszeitung, die Sie ja immer zuverlässig von unseren emsigen Austrägern bekommen, bieten wir Ihnen das E-Paper für drei Monate zu einem Vorzugssonderpreis!“

„Aha.“

„Liebe Frau Klostermann-Bischof, wie klingt das für Sie? Ist das für Sie interessant?“

„Nein.“

„So… nicht…“ Herr Schröders Euphorie-Kurve verflacht merklich.

„Nein.“

„Darf ich fragen, warum das nicht interessant für Sie ist?“

„Ja.“

„…“ – „Ja…?“

„Ja, Sie dürfen fragen.“

Herr Schröder wartet einen Moment, atmet schwer, räuspert sich und fragt:

„Spreche ich wirklich mit Frau Klostermann-Bischof?“

„Nein.“

„Aber wenn Sie nicht Frau Klostermann-Bischof sind…“

„Dann bin ich wohl mein Mann.“

„Ach, dann sind Sie Herr Klostermann-Bischof?“

„Nein.“

„Aber Sie sagten doch…“

„Hören Sie, offensichtlich hat meine Frau in unserer Ehe den Doppelnamen. Wie wahrscheinlich ist es, dass ich auch Klostermann-Bischof heiße?“

„Oh, natürlich. Verzeihen Sie, Herr Klostermann.“

„Nein.“

„Nein?“

„Hier wohnt kein Herr Klostermann.“

„Dann sind Sie Herr Bischof!“ Herr Schröder klingt freudig-erregt.

„Bravo, Herr Schröder, aus Ihnen wird noch mal was.“

Herr Schröder ändert die Taktik, er macht jetzt auf verschwörerische Männer-Kumpanei.

„Was meinen Sie, Herr Bischof, könnte ihre Frau sich für das E-Paper unser Tageszeitung zum Sondervorzugspreis für langjährige Abonnenten interessieren?“

„War es nicht eher ein Vorzugssonderpreis?“

„Bitte?“

„Schon gut.“

„Und..?“

„Ach so… Nein.“

„Nicht?“

„Nein.“

„Darf ich fragen, warum…?“

Theo hat rote Flecken vor den Augen, er hört sein Blut in den Ohren rauschen.

„SCHRÖDER!“, donnert sein Bass durchs Telefon, „Wir haben die Zeitung abonniert, um Fliegen, Mücken und unsere Kinder damit zu erschlagen… zu züchtigen. Wie soll das gehen mit einem E-Paper?“

Das Besetzt-Zeichen verrät Theo, dass Herr Schröder aufgelegt hat. Ihm fällt ein, dass Greenpeace neulich mal angerufen und nach seiner Frau gefragt hat. Die wollten sich wieder melden…